Die Europäische Union will der Marktaufsichtsbehörde ESMA deutlich mehr Macht geben. Ein durchgesickertes Dokument zeigt: Die Behörde soll künftig große Finanzinfrastrukturen und Kryptounternehmen direkt kontrollieren. Damit vollzieht Europa einen Kurswechsel in Richtung US-Aufsichtsmodell.
- ESMA erhält direkte Kontrolle über systemrelevante Krypto-Akteure
- Paneuropäische Lizenz ermöglicht EU-weiten Betrieb mit einer Genehmigung
- Nationale Unterschiede sollen durch zentralisierte Aufsicht verschwinden
Die Europäische Kommission arbeitet an einer Reform, die der ESMA erstmals echte Durchgriffsrechte verschafft. Laut einem internen Arbeitspapier soll die Behörde große Clearinghäuser, Handelsplattformen und eigenständige Kryptounternehmen unmittelbar regulieren dürfen. Die Pläne werden voraussichtlich nächsten Monat offiziell vorgestellt.
Bislang fungierte die ESMA vor allem als Koordinatorin zwischen nationalen Aufsichtsbehörden. Mit der Reform rückt Europa näher an das Modell der SEC heran, die in den USA seit Jahren direkt gegen Unternehmen vorgeht. Der Schritt markiert einen grundlegenden Wandel in der europäischen Finanzaufsicht.
Wie funktioniert die neue paneuropäische Lizenz?
Ein Kernstück der Reform ist der Pan-European Market Operator. Diese neue Lizenz erlaubt Unternehmen, mit einer einzigen Genehmigung im gesamten EU-Block zu operieren. Die ESMA würde diese Akteure direkt beaufsichtigen und nationale Hürden abbauen.
Für Kryptounternehmen bedeutet dies konkret: Wer grenzüberschreitend tätig ist oder systemrelevante Größe erreicht, fällt künftig unter die direkte Aufsicht der ESMA. Betroffen sind vor allem Akteure, die nicht unter nationale MiCA-Aufsicht fallen. Kleinere Unternehmen bleiben weiterhin bei den nationalen Behörden.
Auch große Clearingeinrichtungen und zentrale Wertpapierverwahrstellen werden der ESMA unterstellt, sobald sie als signifikant eingestuft werden. Die Kommission will damit sicherstellen, dass kritische Infrastrukturen europaweit einheitlich reguliert werden.
Brüssel will nationale Spielräume begrenzen
Das durchgesickerte Dokument macht deutlich: Die EU will nationale Unterschiede systematisch abbauen. Die ESMA könnte künftig neue Genehmigungen überprüfen, wenn ein Mitgliedstaat zuvor bei der Aufsicht versagt hat. Zudem sollen Regeln häufiger in unmittelbaren EU-Verordnungen statt in Richtlinien festgeschrieben werden.
Einige Länder wehren sich allerdings gegen die wachsende Macht Brüssels. Auch Unternehmen warnen vor zusätzlicher Regulierung und höheren Compliance-Kosten. Die Vorschläge sind noch nicht endgültig. Sowohl das Europäische Parlament als auch die Mitgliedstaaten müssen zustimmen, bevor das Paket Gesetz wird.
Für internationale Kryptobörsen und Stablecoin-Emittenten bedeutet die Reform vor allem eines: schnellere Eingriffe bei Verstößen und strengere einheitliche Aufsicht. Die Zeiten nationaler Alleingänge in der Krypto-Regulierung könnten bald vorbei sein.






