Katholische Bischöfe aus ganz Asien sind in Hongkong zusammengekommen, um erstmals kirchliche Leitlinien für den Einsatz von künstlicher Intelligenz zu erarbeiten. Kardinal Stephen Chow beschreibt AI als göttliches Geschenk – ein bemerkenswert optimistischer Ton angesichts wachsender Technologie-Skepsis weltweit.
- Erste kirchliche AI-Richtlinien für Asien in Arbeit
- Kardinal Chow: „KI kommt von Gott, nicht vom Teufel“
- Vatikan-Vertreter warnt vor Ersatz menschlichen Urteilsvermögens

Die katholische Kirche intensiviert ihre Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz. Bei einem dreitägigen Treffen an der St. Francis University in Hongkong diskutieren Bischöfe und Kommunikationsverantwortliche aus ganz Asien über die Auswirkungen von AI auf kirchliche Abläufe und katholische Medien.
Kardinal Stephen Chow, Bischof von Hongkong, eröffnete die Konferenz mit einer ungewöhnlich positiven Bewertung der Technologie. „Ich denke, KI kommt nicht vom Teufel. KI kommt von Gott, der uns hilft“, erklärte Chow laut Vatican News in seiner Predigt. Er forderte die Teilnehmer auf, der Technologie „mit Vorsicht und Zuversicht statt mit Angst“ zu begegnen.
Vatikan verstärkt AI-Regulierungsbemühungen
Das Treffen reiht sich ein in die umfassenden Bemühungen des Vatikans, ethische Leitplanken für den Einsatz künstlicher Intelligenz zu schaffen. Papst Leo XIV., der im Mai 2025 sein Amt antrat, hat ethische Technologie zu einer Priorität seines Pontifikats erklärt. Der neue Papst betonte, dass technologische Entwicklungen „ein ethisches und spirituelles Gewicht“ tragen, da jede Designentscheidung eine Vision von Menschlichkeit ausdrücke.
Die in Hongkong erarbeiteten Richtlinien sollen nach Fertigstellung an Diözesen in ganz Asien verteilt werden. Paolo Ruffini, Präfekt des Dikasteriums für Kommunikation, mahnte zur Vorsicht. „Künstliche Intelligenz darf uns niemals ersetzen. Wahre Weisheit kann nicht von Maschinen und Algorithmen kommen„, so Ruffini.
Kirche warnt vor Deepfakes und algorithmischer Manipulation
Die Diskussionen in Hongkong konzentrieren sich auf konkrete Herausforderungen: Deepfakes, nicht verifizierbare Quellen und die undurchsichtige Logik, mit der digitale Plattformen Informationsströme steuern. Ruffini warnte vor „Filterblasen„, die von kommerziellen oder ideologischen Interessen statt von Wahrheit getrieben werden.
Die Kirche reagiert damit auf eine Technologie, die bereits tief in den Alltag von Gläubigen eingedrungen ist. Von AI-generierten Chatbots bis zu algorithmisch kuratierten News-Feeds – die Teilnehmer betonten den bereits allgegenwärtigen Einfluss von KI auf Informationsaufnahme, Entscheidungsfindung und soziale Interaktion.
Kardinal Chow selbst gilt als Brückenbauer zwischen westlicher Kirche und China. Der 65-jährige Jesuit wurde 2023 von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt und ist bekannt für seinen diplomatischen Ansatz in politisch sensiblen Fragen.



