Die Europäische Kommission will die Krypto-Aufsicht zentralisieren und der Wertpapieraufsicht ESMA weitreichende Befugnisse übertragen. Das Ziel: Die Wettbewerbslücke zu den USA schließen. Doch Branchenkenner warnen vor Innovationsbremsen für Startups.
- ESMA erhält direkte Aufsicht über Krypto-Dienstleister und Handelsplätze
- EU-Modell soll US-Regulierung angleichen
- Frankreich droht mit Blockade von EU-Lizenzen aus Malta

Die EU-Kommission drückt aufs Tempo. Am Donnerstag präsentierte Brüssel ein Reformpaket, das die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA massiv aufwerten soll. Künftig würde die Pariser Behörde direkt Krypto-Dienstleister überwachen, die unter die MiCA-Regulierung fallen.
ESMA als europäische SEC?
Das Vorbild ist klar: Die US-Börsenaufsicht SEC. Deren zentralisierte Struktur gilt als Wettbewerbsvorteil gegenüber dem fragmentierten EU-System mit 27 nationalen Aufsichtsbehörden. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, forderte bereits im November 2023 eine „europäische SEC“. „Die Ausweitung der ESMA-Befugnisse könnte die Antwort sein“, erklärte Lagarde damals auf dem Europäischen Bankenkongress.
Der Vorschlag liegt nun bei EU-Parlament und Rat. Wird er angenommen, hätte ESMA künftig direkte Aufsicht über zentrale Marktinfrastrukturen wie Handelsplätze und zentrale Gegenparteien.
Frankreich macht Druck
Bereits im September forderte Frankreich als drittes EU-Land die ESMA-Zentralisierung. Österreich und Italien hatten sich zuvor positioniert. Hintergrund ist die Kritik am maltesischen Lizenzierungssystem. Im Juli attestierte ESMA der maltesischen Finanzaufsicht in einem Peer-Review, dass sie bei der Zulassung eines Krypto-Anbieters nur „teilweise die Erwartungen erfüllte“.
Paris drohte daraufhin mit der Blockade von EU-Lizenzen aus Mitgliedstaaten mit laxeren Standards. Alle drei Länder fordern zudem schärfere MiCA-Regeln, strengere Cybersicherheit und eine Überprüfung der Token-Regulierung.
Startups fürchten Bürokratie-Monster
Die Branche reagiert gespalten. Faustine Fleuret, Leiterin Public Affairs beim Kreditprotokoll Morpho, warnt: „Eine komplette Zentralisierung bei ESMA würde enorme Personal- und Finanzressourcen verschlingen.“ Das könne Entscheidungen verlangsamen und Innovation ausbremsen, besonders für kleinere Akteure.
Tatsächlich hinkt die EU den USA weit hinterher. 2024 erreichte die Marktkapitalisierung europäischer Börsen nur 73 Prozent des EU-BIP. In den USA liegt der Wert bei 270 Prozent.
Die Reform soll genau diese Lücke schließen und EU-Bürgern mehr Vermögensaufbau ermöglichen. Ob die Zentralisierung der Krypto-Aufsicht dafür der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Der Vorschlag muss erst die politischen Hürden in Brüssel nehmen. Eines ist sicher: Die Debatte über Europas Krypto-Zukunft hat gerade erst begonnen.






