Ein britisches Gericht hat Zhimin Qian, bekannt als Chinas Krypto-Queen, zu fast zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Betrügerin orchestrierte eines der größten Ponzi-Schemes der Krypto-Geschichte und zog mehr als 100.000 Anleger über den Tisch. Britische Ermittler beschlagnahmten 61.000 Bitcoin im Wert von 6,5 Milliarden Dollar.
- Chinesische Krypto-Queen zu 11 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt
- 61.000 Bitcoin beschlagnahmt – eine der größten Krypto-Sicherstellungen in Großbritannien
- Opfer kämpfen um Rückerstattung der gestohlenen Gelder

Der Fall Zhimin Qian zeigt einmal mehr, wie weitreichend Betrug in der Krypto-Welt sein kann. Die unter dem Alias Yadi Zhang agierende Chinesin errichtete zwischen 2014 und 2017 ein milliardenschweres Schneeballsystem, das über 100.000 Investoren in China um ihr Geld brachte. Das Southwark Crown Court verurteilte sie am 11. November zu 11 Jahren und 8 Monaten Gefängnis.
Die Metropolitan Police bezeichnete den Fall als eine der komplexesten Finanzermittlungen in der Geschichte der britischen Polizei. Die Ermittlungen erforderten internationale Zusammenarbeit und eine detaillierte Rückverfolgung digitaler Assets über mehrere Jurisdiktionen hinweg.
Von Peking nach London: Der Aufstieg und Fall
Qian betrieb ihre betrügerische Operation über die Firma Lantian Gerui. Sie lockte Anleger mit unrealistisch hohen Renditeversprechen und sammelte so Milliarden von Dollar ein. Als das System 2017 zusammenbrach, floh sie aus China mit einem Laptop-Wallet voller Bitcoin.
Im September 2017 reiste sie mit einem gefälschten Pass aus St. Kitts und Nevis nach Großbritannien ein. Dort versuchte sie, die gestohlenen Krypto-Gelder durch Luxuskäufe und Immobilieninvestitionen zu waschen. Im Oktober 2018 durchsuchten britische Ermittler ihre Residenz in Hampstead und fanden in einem Schließfach eine digitale Wallet mit 4.741 Bitcoin.
Die endgültige Festnahme erfolgte im April 2024 in York. Dabei stellten die Behörden über 61.000 Bitcoin sicher – zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung waren diese etwa 6,55 Milliarden Dollar wert. Zusätzlich fanden Ermittler gefälschte Pässe, Bargeld, Gold und verschlüsselte elektronische Geräte.
Komplizierter Kampf um die Bitcoin
Betrogene Anleger fordern jetzt die Rückgabe der beschlagnahmten Bitcoin. Doch der rechtliche Prozess gestaltet sich kompliziert. Nach dem britischen Proceeds of Crime Act müssen Opfer unter Section 281 einen Eigentumsanspruch geltend machen.
Die Rechtsvertreter William Glover und Stephen Cartwright argumentieren, dass die eingefrorenen Krypto-Assets den betrogenen Investoren zustehen. Die Crown Prosecution Service hat bestätigt, dass sie Anträge zurückstellen wird, um Betroffenen Zeit für rechtliche Schritte zu geben.
Zwei zentrale Fragen dominieren die Diskussion: Sollen Opfer den ursprünglichen Verlust in Renminbi oder den aktuellen Bitcoin-Marktwert erhalten? Und wie werden konkurrierende internationale Ansprüche geregelt? Der Bitcoin-Preis ist seit der Beschlagnahmung stark gestiegen, was die Bewertung zusätzlich verkompliziert.
Staatsanwälte schlagen einen gerichtlich überwachten Kompensationsrahmen vor. Viele Opfer haben bereits Teilentschädigungen durch chinesische Mechanismen erhalten, doch eine beträchtliche Anzahl wartet noch auf Rückzahlungen. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass Gerichte möglicherweise nur die ursprünglichen Verluste erstatten werden – nicht die Wertsteigerung der Bitcoin.
Qians Komplizen wurden ebenfalls verurteilt: Seng Hok Ling erhielt vier Jahre und elf Monate, Jian Wen sechs Jahre und acht Monate. In China wurden über achtzig weitere Personen im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Betrug verurteilt.






