Die weltgrößte Krypto-Börse Binance gerät erneut unter Druck: Geleakte interne Daten zeigen, dass 13 verdächtige Konten 1,7 Milliarden Dollar bewegten – darunter 144 Millionen nach dem 4,3-Milliarden-Vergleich mit US-Behörden. Einige Transfers führten zu Wallets mit mutmaßlichen Terror-Verbindungen.
- 1,7 Milliarden Dollar über 13 markierte Konten seit 2021
- 144 Millionen Dollar Volumen nach US-Strafzahlung 2023
- Verbindungen zu Hisbollah und Iran-nahen Houthi-Gruppen
Binance steht im Zentrum neuer Compliance-Vorwürfe. Wie die Financial Times am Donnerstag unter Berufung auf interne Dokumente berichtete, ließ die Börse hunderte Millionen Dollar durch Konten fließen, die bereits als verdächtig markiert waren. Die brisanten Transaktionen erfolgten teilweise nach dem November 2023, als Binance sich mit US-Behörden auf eine Strafzahlung von 4,3 Milliarden Dollar einigte.
Die geleakten Daten umfassen den Zeitraum von 2021 bis 2025. Laut FT bewegten 13 Konten insgesamt 1,7 Milliarden Dollar in Kryptowährungen. Rund 144 Millionen Dollar davon wurden nach der Einigung mit dem US-Justizministerium abgewickelt.
Venezuela-Konten mit extremen Auffälligkeiten
Besonders brisant: Ein auf einen Bewohner eines venezolanischen Slums registriertes Konto verschob über vier Jahre etwa 93 Millionen Dollar. Teile der Gelder stammten laut US-Behörden aus einem Netzwerk, das Geld für den Iran und die libanesische Hisbollah transferierte.
Ein weiteres Konto einer 25-jährigen Venezolanerin verarbeitete über zwei Jahre mehr als 177 Millionen Dollar. Dabei änderte das Konto innerhalb von 14 Monaten 647-mal die verknüpften Bankdaten und durchlief fast 500 verschiedene Konten in mehreren Ländern.
Stefan Cassella, ehemaliger US-Bundesstaatsanwalt, sagte gegenüber der Financial Times, die Aktivitäten ähnelten denen eines nicht lizenzierten Geldtransmissionsgeschäfts.
Physisch unmögliche Logins und Terror-Verbindungen
Die Untersuchung förderte Login-Aktivitäten zutage, die physisch unmöglich erscheinen. Ein mit einem venezolanischen Bankangestellten verknüpftes Konto zeigte nachmittags einen Zugriff aus Caracas, gefolgt von einem Login aus Osaka am frühen nächsten Morgen. Dies deutet auf Kontokompromittierung oder koordinierten Missbrauch hin.
Mehrere Konten erhielten Gelder in Tethers Stablecoin USDT von Wallets, die später von israelischen Behörden nach Anti-Terror-Gesetzen eingefroren wurden. Viele Transfers führten zu Adressen von Tawfiq Al-Law, einem syrischen Staatsangehörigen, der beschuldigt wird, Geld für Hisbollah und die vom Iran unterstützten Huthi-Gruppen zu bewegen. Israel beschlagnahmte entsprechende Konten 2023, das US-Finanzministerium sanktionierte Al-Law 2024.
Binance beteuert strikte Compliance
Binance erklärte gegenüber der Financial Times, man pflege strenge Compliance-Kontrollen und verfolge einen Null-Toleranz-Ansatz bei illegalen Aktivitäten. Die Systeme seien darauf ausgelegt, verdächtige Transaktionen zu markieren und zu untersuchen.
Die Enthüllungen erfolgen inmitten verstärkter Prüfung von Binances Unternehmensführung. Gründer Changpeng Zhao erhielt im Oktober eine präsidentielle Begnadigung wegen Verstößen gegen Geldwäschegesetze. Die Begnadigung sowie erweiterte Geschäftsbeziehungen zwischen der Familie des ehemaligen Präsidenten und Binance-nahen Einheiten erschweren laut ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern die Aufsicht.





